Mehr Krebs im Alter: Vorsorge und Versorgung neu denken

Wien, am 20.1.2026. Krebshilfe und OeGHO präsentieren zum Weltkrebstag 2026 (4.2.) den Österreichischen Krebsreport 2025 und betonen die Herausforderungen und notwendige Strategien bei der Früherkennung und Versorgung von älteren Krebspatient:innen. 

Der demographische Wandel und die steigende Lebenserwartung führen dazu, dass immer mehr ältere Menschen an Krebs erkranken. Bereits heute wird ein Großteil aller Krebserkrankungen bei Menschen über 65 Jahren diagnostiziert – mit weiter steigender Tendenz. Diese Entwicklung stellt das Gesundheitssystem vor wachsende Herausforderungen, insbesondere in der Früherkennung, Diagnostik und Versorgung älterer Patientinnen und Patienten.

Früherkennungsprogramme und therapeutische Leitlinien orientieren sich bislang häufig an jüngeren, vergleichsweise gesunden Bevölkerungsgruppen. Bei älteren Menschen greifen diese Ansätze jedoch nur eingeschränkt. Alterungsprozesse, multiple chronische Erkrankungen, funktionelle Einschränkungen sowie eine veränderte Belastbarkeit beeinflussen sowohl den Krankheitsverlauf als auch die Verträglichkeit diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine individuelle und ganzheitliche Behandlung zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, medizinische Entscheidungen nicht allein am kalendarischen Alter festzumachen, sondern die gesamte gesundheitliche Situation zu berücksichtigen. Dazu gehören neben der Tumorerkrankung auch Begleiterkrankungen, kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit, soziale Faktoren sowie die persönlichen Präferenzen der Betroffenen.

 

Therapieziel vor Therapieplan 

Eine altersgerechte onkologische Versorgung erfordert daher eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie angepasste Versorgungsstrukturen. Nur durch maßgeschneiderte Empfehlungen und gemeinsame Entscheidungsprozesse kann eine angemessene Balance zwischen Wirksamkeit, Lebensqualität und Belastung der Therapie erreicht werden – nach dem Grundsatz „Therapieziel vor Therapieplan“. Bei fortschreitender palliativer Erkrankung ist es insbesondere bei älteren Patient:innen wichtig, auf Veränderungen der gesundheitlichen Situation zu reagieren und die Therapie kontinuierlich an die aktuellen Bedürfnisse der Patient:innen anzupassen. 

 

Große Herausforderungen aufgrund steigender Patientenzahlen und demographischer Entwicklung 

Mehr als 60% aller Österreicher:innen, die eine Krebsdiagnose erhalten, sind ≥65 Jahre alt und mit dem demographischen Wandel wird dieser Anteil bis 2040 auf >75% steigen! Dies stellt das Gesundheitssystem vor eine sehr große Herausforderung: Einerseits verdoppelt sich die absolute Zahl an Menschen ab 65 Jahren, die in den vergangenen 5 Jahren eine Krebsdiagnose erhalten haben, zwischen 2013 und 2040 (von ~60 000 auf ~130 000). Andererseits ist die Behandlung dieser Menschen oft komplex, da sie meist weniger fit und mehrheitlich von Begleiterkrankungen betroffen sind und fast immer zusätzliche Medikamente einnehmen, die bei der Behandlung einer Krebserkrankung berücksichtigt werden müssen. Der Krebsreport 2025 widmet sich ausführlich den damit einhergehenden Herausforderungen. Gleichzeitig demonstrieren wir auf Basis einer Analyse von 9 innovativen Krebsmedikamenten, dass die onkologische Versorgung dieser Personen in Österreich derzeit sehr gut funktioniert: Innovative onkologische Medikamente werden in Österreich bis ins hohe Alter, nämlich auch bei deutlich >80-Jährigen, verabreicht. Und eine deutliche Verbesserung des Überlebens (ein Zugewinn von über 5%) bei bestimmten Krebserkrankungen ist bei älteren Personen (über 65 und sogar über 75 Jahren) genauso zu beobachten wie bei jüngeren. „Um diese hohe Qualität der Versorgung angesichts massiv steigender Zahlen zu halten, wird es notwendig sein, die besonderen Bedürfnisse älterer onkologischer Patient*innen bei der Gesundheitsplanung medizinisch und organisatorisch optimal zu berücksichtigen,“ so Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Krebsreports“.

 

Informiert vorsorgen, gesund altern

Um den gesundheitlichen Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft wirksam zu begegnen, muss vor allem das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung – aber auch der Gesundheitspolitik - nachhaltig gestärkt werden. Die Daten zeigen deutlich, dass Österreich bei den erwartbaren „gesunden Jahren“ bei Personen um 60 mit 8,1 gesunden Jahren deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt. „Die Bedeutung eines dauerhaft gesunden Lebensstils – einschließlich regelmäßiger Bewegung, Nichtrauchens und der Vermeidung von Übergewicht – sollte durch verständliche Aufklärung, alltagsnahe Unterstützung und motivierende Angebote seitens der Politik noch deutlicher vermittelt werden. Nur so können die Chancen auf ein gesundes und selbstbestimmtes Altern verbessert werden,“ so Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda. „Gerade für ältere Menschen sollte bei dem Thema Krebsfrüherkennung ein besonderer Fokus darauf liegen, welche Untersuchungen individuell sinnvoll sind, um Lebensqualität und Mobilität zu erhalten unter besonderer Berücksichtigung von Komorbiditäten. Ziel muss es sein, informierte Entscheidungen zu ermöglichen und gleichzeitig die Inanspruchnahme evidenzbasierter Vorsorgeangebote zu stärken.“   

 

Besondere Komplexität in der Versorgung von älteren Krebspatient:innen 

„Die Versorgung von älteren und alten Menschen mit Krebserkrankungen ist im klinischen Alltag eine besondere Herausforderung, da diese Patientengruppe neben der Krebserkrankung häufig mit weiteren - oft internistischen - Diagnosen konfrontiert ist,“ so Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO). Für die Einschätzung der Bedeutung der Begleiterkrankungen stehen neben der klinischen Erfahrung auch standardisierte Verfahren zur Verfügung zur systematischen Erfassung der gesundheitlichen Situation älterer Menschen. Ziel ist es, die medizinische, funktionelle, psychische und soziale Situation eines Patienten zu bewerten, um therapeutische Entscheidungen individuell anzupassen. Es geht also nicht nur um die Diagnose einer Krankheit, sondern um das Gesamtbild der Gesundheit im Alter. Sie können auch dazu beitragen, Übertherapien, Übermedikationen und Wechselwirkungen zu vermeiden. Es wird darüber hinaus notwendig sein, Behandlerteams stärker dahingehend zu sensibilisieren, dass auch ältere Krebspatient:innen – soweit möglich – in klinische Studien eingeschlossen werden. 

 

Krebsreport liefert bedeutende und fundierte Grundlage für Medizin, Politik und Forschung 

„Der österreichische Krebsreport liefert eine bedeutende und fundierte Grundlage für Medizin, Politik und Forschung. Auf seiner Basis kann eine vorausschauende Gesundheitspolitik gestaltet werden, die den aktuellen und künftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Krankheit Krebs effizient, aber auch menschlich begegnet,“ so Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates. „Ich danke den Herausgebern, dass sich der diesjährige Krebsreport insbesondere mit dem Thema „Krebs im Alter“ beschäftigt hat.“ 

Die Herausgeber vom Österreichischen Krebsreport - die Österreichische Krebshilfe und die OeGHO - danken dem Redaktionsteam, allen Autor:innen, der Statistik Austria und der Gesundheit Österreich GmbH für die enge und hervorragende Zusammenarbeit. 

 

Download: 

Der Krebsreport und die Präsentation bei der Pressekonferenz am 20.1.2026 steht unter www.krebsreport.at zur Verfügung. 

Foto-Links von der Pressekonferenz:

https://www.apa-fotoservice.at/galerie/Mzk2OTJ8NjZlMmMyMmRkMGQyZDRiYWM0ZGJiYTkzY2U2OGU2Mzk=

https://www.apa-fotoservice.at/galerie/39692

APA-Video von der Pressekonferenz finden Sie hier 

 

Bei Rückfragen:

Doris Kiefhaber, Geschäftsführung, Österreichische Krebshilfe, Tel. +43 676 502 43 72, E-Mail: kiefhaber(at)krebshilfe.net 

Walter Voitl-Bliem, Geschäftsführung, Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Tel. +43 664/405 36 46, E-Mail: Walter.Voitl-Bliem(at)oegho.at